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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 18.07.2010, 13:56 
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Gefreiter

Registriert: 09.07.2010, 15:17
Beiträge: 32
nulchking hat geschrieben:
Gefällt mir echt gut, schön geschrieben und gute Bilderwahl.


Danke für das Lob! Freut mich, dass ich das hier alles nicht umsonst schreibe. ;)

nulchking hat geschrieben:
Nun zum Japan Problem:
Habe mit GB das 1936 Szenario 4 mal durch laufen lassen und die Japaner kamen immer zu den Kommis, jedoch nachdem sie da waren half es ihnen auch nicht wirklich weiter und zum schluss hin konnte der Chinese sie sogar aus Korea vertreiben...
Also wird es wohl nötig sein das Savegame zu ändern


Ja, das mit den Japanern scheint wohl schlicht und ergreifend ein Bug zu sein. Letztendlich liegt es ja nahe, dass sich die Sowjets und die Japaner ein wenig annähern und z.B. einen Nichtsangriffspakt abschließen, da beide jeweils an anderen Fronten engagiert sind und somit den Rücken frei haben. Aber Japan bei den Kommunisten ist einfach unvorstellbar bis unmöglich.

Davon abgesehen wird Japan mich vermutlich nicht angreifen, wenn es nicht in der Achse ist. Das wiederum würde mir den Spielspaß rauben, da ich dann einerseits meine Flotte umsonst gebaut hätte und andererseits mit voller Konzentration auf Europa spätestens 1943 in Polen den Sowjets die Hand schüttle.

Ich bin mal gespannt, ob die Japaner jetzt mit Deutschland als Verbündetem in China etwas besser vorankommen. Da stecken sie nämlich nach wie vor in der Ausgangsstellung fest und kommen nicht in Schwung. Vielleicht überlassen die Deutschen ihnen ja ein paar Ressourcen auf Pump, mal sehen.

MichiK


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 18.07.2010, 14:46 
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Generalmajor Fähigkeit 3

Registriert: 11.09.2009, 15:21
Beiträge: 130
Könntest du mir bitte sagen wie ich die Japaner im Savegame zu den Achsen machen kann?
Hab mich durchgewühlt aber nichts gefunden +3+


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 18.07.2010, 20:58 
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Gefreiter

Registriert: 09.07.2010, 15:17
Beiträge: 32
Also du musst zunächst den Abschnitt für die einzelnen Fraktionen suchen, der sieht so aus:

Code:
faction={axis=
{
    progress=333.000
    country="GER"
    ...
}
allies=
{
    progress=286.000
    country="ENG"
    ...
}
comintern=
{
    progress=188.000
    country="SOV"
    ...
}


Da musst du einfach die Einträge country="JAP" und country="MAN" bei im Abschnitt comintern löschen und im Abschnitt axis einfügen. Damit ist die Hauptarbeit getan (Die Siegespunkteverteilung brauchst du nicht anzutasten, wie wird im Spiel automatisch auf den aktuellen Stand gebracht.)

Dann musst du den Abschnitt von Japan suchen (die Zeile beginnt mit "JAP="), und entsprechend den von Manchukuo ("MAN="). Dort gibt es dann jeweils einen Unterpunkt "progress=", der hat zwei Werte, x und y. Die geben die Position im Diplomatiedreieck an. Wenn du die einfach auf 200.000 und 200.000 setzt, stehen die Länder rechts in der Ecke bei der Achse anstatt links beim Komintern (das scheint allerdings eine reine Frage der Ästhetik zu sein).

Das ist alles, was ich geändert habe und bis jetzt sind keine Nebenwirkungen aufgetaucht.

MichiK


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 19.07.2010, 20:47 
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Gefreiter

Registriert: 09.07.2010, 15:17
Beiträge: 32
Moin,

ich wollte eigentlich heute noch einige Monate weiterspielen, bin bis jetzt aber nicht dazu gekommen - am späten Abend vielleicht noch. Die Uni hat ein wenig Aufmerksamkeit gefordert. Auch werde ich übermorgen für zwei Wochen in den Urlaub fahren und weiß noch nicht, ob ich da Zugriff auf einen HoI-3-tauglichen Rechner habe (und selbst wenn, je besser das Wetter, desto unwahrscheinlicher, dass ich ihn benutze). Also wundert euch bitte nicht, falls in den nächsten Wochen keine neuen Postings kommen. Es wird danach aber auf jeden Fall weitergehen, soviel kann ich euch versprechen.

Ich habe allerdings das Spiel mal auf höchster Geschwindigkeitsstufe ohne einzugreifen und mitzuschreiben eine Weile laufen gelassen und kann euch mitteilen, dass es durchaus interessant werden könnte. Der Deutsche stellte sich weiterhin so schnarchnasig an, wie in Dänemark, aber immerhin kamen bis auf Barbarossa alle Kriege halbwegs historisch. Der Japaner ist dann nach seinen Vichy- und Siam-Events auch mal aufgewacht und in einem halben Jahr quer durch China gerannt. Meine Befürchtungen, dass der Sieg im Pazifik ein Kinderspiel wird, dürften damit wohl unbegründet sein. Mal sehen, wie sich das "richtige" Spiel dann entwickelt.

MichiK


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 20.07.2010, 00:45 
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Generalleutnant Fähigkeit 2
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Registriert: 19.05.2007, 22:58
Beiträge: 868
So, jetzt hab ichs endlich mal geschafft meinen Rückstand aufzuholen. Ich hab grad 3 Beiträge oder so am Stück gelesen, hat etwas gedauert. Respekt für die ganze Schreibarbeit! Das Text-Bild-Verhältnis ist nach meinem Geschmack fast ausgewogen. Mach weiter so, und dass du mir ja nach dem Urlaub weiterschreibst! Ich lese hier sehr gern weiter mit.

Zwei Anmerkungen:
MichiK hat geschrieben:
Die Polen haben allerdings nicht klein beigegeben. Augenblicklich folgte als Antwort eine Kriegserklärung der Deutschen. Wir gehen davon aus, dass die deutschen Truppen bereits die Grenze zu Polen überschritten haben.

Genau genommen gabs da gar keine Kriegserklärung, sondern nur ein "Zurückschießen" und danach der Einmarsch ;)

MichiK hat geschrieben:
Ich habe allerdings das Spiel mal auf höchster Geschwindigkeitsstufe ohne einzugreifen und mitzuschreiben eine Weile laufen gelassen und kann euch mitteilen, dass es durchaus interessant werden könnte.

Nun verrat doch nicht schon vorher alles! :)

_________________
"Hör dir das an, das ist mein Magen." - "Ich rieche es bereits."

Weltkriegs-Spaß-AAR mit Forschungscharakter (1914-1922)
Pomp and Circumstance - Großbritannien AAR (1736- )


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 21.07.2010, 03:36 
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Gefreiter

Registriert: 09.07.2010, 15:17
Beiträge: 32
Wilhelm Klink hat geschrieben:
So, jetzt hab ichs endlich mal geschafft meinen Rückstand aufzuholen. Ich hab grad 3 Beiträge oder so am Stück gelesen, hat etwas gedauert. Respekt für die ganze Schreibarbeit! Das Text-Bild-Verhältnis ist nach meinem Geschmack fast ausgewogen. Mach weiter so, und dass du mir ja nach dem Urlaub weiterschreibst! Ich lese hier sehr gern weiter mit.


Danke. Sowas hört man gerne. :)

Wilhelm Klink hat geschrieben:
Genau genommen gabs da gar keine Kriegserklärung, sondern nur ein "Zurückschießen" und danach der Einmarsch ;)


Ja, historisch hast du recht, da haben sie den Krieg mehr oder weniger implizit erklärt, indem sie bewaffnet die Grenze überschritten haben. War in Holland und Belgien dann ja auch nicht anders. Im Spiel hingegen gab es eine Kriegserklärung. ;)

Interessanterweise gab es die (historisch vorhandene) Kriegserklärung der Alliierten gegen Deutschland dann im Spiel nicht, da hier nicht einfach eine Garantie für Polen abgegeben wurde, die dann einen Casus belli liefert, sondern Polen im Vorfeld des Krieges in die Alliierten aufgenommen wurde und diese so mit dem deutschen Angriff automatisch in den Krieg gezogen wurden.

Zur Sache: Ich habe jetzt noch "mal eben" bis Mai '41 gespielt und die Screenshots und Notizen nehme ich mit. Vermutlich wird es im Laufe der Woche noch 1-2 Updates geben.

MichiK


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 22.07.2010, 16:45 
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Gefreiter

Registriert: 09.07.2010, 15:17
Beiträge: 32
1940

7. Januar, Marineministerium, Washington D.C.

Die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel waren für die meisten Militär- und Regieungsangehörigen nicht sonderlich feierlich verlaufen. Manche Abteilungen hatten sogar durchgearbeitet und lediglich am Weihnachtsfeiertag und in der Silvesternacht brannten in den Gebäuden der Ministerien keine Lichter.

Randall hatte eine Einladung ins Marineministerium erhalten: Man hatte die Seeschlachten zwischen der britischen und der deutschen Marine analysiert und sich etwas ausgedacht. Man wollte testweise eine neue Flotte zusammenstellen, die im Ernstfall maximale Schlagkraft und Flexibilität vereinen sollte. Diese so genannte "Combined Marine Task Force" sollte aus zwei Flugzeugträgern, zwei Schlachtschiffen, zwei leichten Kreuzern und zwei Zerstörern bestehen. Diese Schiffe sollten aus den bestehenden Verbänden bzw. aus der Reserve abgezogen werden. Randall erteilte seine Zustimmung zu den Planungen.

Als er in sein Büro im Kriegsministerium zurückkehrte, waren dort gerade zwei Techniker damit beschäftigt, ein rotes Telefon anzuschließen. Major Davis klärte ihn auf: Das Telefon stellte eine Standleitung direkt in den "War Room" des Weißen Hauses bzw. zum Präsidenten dar und sollte in Notfällen für eine schnelle Kontaktmöglichkeit sorgen. Die Verbindung war immer in die Nähe des Präsidenten durchgeschaltet. Sämtliche Minister und weitere wichtige Personen im Kriegsministerium sowie der Geheimdienstchef bekamen ähnliche Apparate. Ebenso wurden bereits zum Jahreswechsel 50% der Kapzität der Transatlantikkabel für die zivile Verwendung gesperrt und waren dem Militär bzw. der Regierung vorbehalten, um eine optimale Verbindung nach Großbritannien zu gewährleisten. Offensichtlich war der Ernst der Lage mittlerweile bis zu allen zuständigen Stellen durchgedrungen.

12. Januar, Marinebasis, San Diego, Kalifornien

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen und strengerer Geheimhaltung als üblich (Besichtigungen durch Zivilisten oder auch nur Fotos der Schiffe aus der Entfernung waren im Vorfeld untersagt worden) wurden in San Diego die drei hochmodernen Flugzeugträger USS Hornet, USS Wasp und USS Essex in Dienst gestellt. Hornet und Wasp sollten den Kern der neuen kombinierten Task Force bilden, die allgemein bereits nach ihrem kommandierenden Admiral "Task Force Nimitz" genannt wurde.

Unterdessen hatte die Universität von Pennsylvania in einem geheimen Forschungsprojekt einen entschieden verbesserten mechanischen Computer für militärische Anwendungen entwickelt. Die Forscher waren sich sicher, in 3-4 Jahren auch einen deutlich leistungsfähigeren elektronischen Rechner entwickeln zu können. Dieser würde die Forschung noch weiter vorantreiben.

14. Januar, Kriegsministerium, Washington D.C.

Randall blätterte in aktuellen Forschungsberichten: Man hatte die Nachschuborganisation entschieden verbessert und würde in Kürze auch den Nachschubtransport optimiert haben. Außerdem hatte man die Kommandostrukturen optimiert und es war nun logistisch und technisch möglich, allen Divisionen eine fünfte Brigade zuzuordnen. Randall beschloss, dass dieses Projekt dringend in Angriff genommen werden sollte, um vor allem den Infanteriedivisionen eine verbesserte Abwehrbewaffnung gegen Panzer zur Verfügung zu stellen.

7. Februar, Marineministerium, Washington D.C.

Bild

Gute Nachrichten aus dem Marineministerium: Die Task Force Nimitz meldete Einsatzbereitschaft. In einem Bericht an die Regierung wurde ihre Rolle folgendermaßen definiert:

"Die Kombination aus Flugzeugträgern, Schlachtschiffen, leichten Kreuzern und Zerstörern gewährleistet eine maximale Flexibilität und Handlungsfähigkeit in allen denkbaren Situationen. In Seegefechten können die Trägerflugzeuge die feindliche Flotte bereits auf große Entfernung angreifen und demoralisieren, auf nähere Entfernung haben die Schlachtschiffe dann ein leichtes Spiel. Außerdem können die Trägerflugzeuge angeschlagene oder fliehende Feindflotten auf See und sogar im Hafen angreifen oder Luftunterstützung bei Kämpfen in küstennahen Gebieten auch weit entfernt von Flugplätzen leisten. In diesem Fall sorgen die Schlachtschiffe für eine optimale Deckung der Träger bei Abwesenheit der Flugzeuge. Die Kombination aus leichten Kreuzern und Zerstörern bietet einen optimalen Schutz sowohl gegen Bedrohungen aus der Luft als auch gegen U-Boote."

Randall war noch nicht völlig überzeugt, aber das Konzept klang schlüssig und die Praxis würde zeigen, ob es sich bewährt. Er fand, dass bei dieser Flotte durch die vergleichsweise alten Schlatschiffe (alle anderen Einheiten waren innerhalb der letzten zwei Jahre gebaut worden) Potential verschenkt wurde. Möglicherweise ließ sich hier noch etwas verbessern.

18. Februar, Kriegsministerium, Washington D.C.

Randall blätterte gerade im Abschlussbericht eines Projekts, dass sich der Modernisierung sämtlicher Teilbereiche der Infanteriebewaffnung und -ausrüstung widmete. Diese war damit auf aktuellstem Stand uns sollte schnellstmöglich der Truppe zugeführt werden. Plötzlich klingelte erstmals das rote Telefon auf Randalls Schreibtisch. Er sollte sofort zu einer Sondersitzung ins Weiße Haus kommen. Es gab wieder einmal beunruhigende Nachrichten aus Europa...

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Die deutsche Kriegserklärung kam zeitlich überraschend. Offenbar hatte die deutsche Geheimhaltung ausnahmsweise einmal funktioniert, denn dies war in den letzten Wochen nicht vorhersehbar gewesen. Die Tatsache, dass die Kriegserklärung erfolgte, war selbst aber keine große Überraschung. Deutschland war von Erzlieferungen aus Schweden abhängig, die vor allem über den norwegischen Hafen Narvik abgewickelt wurden. Ein Beitritt Norwegens zu den Alliierten und damit eine Blockade des Hafens oder eine Besetzung Norwegens durch die Briten (diese befand sich im Planungsstadium) würde empfindliche Auswirkungen auf die deutsche Kriegswirtschaft haben. Also handelten die Deutschen lieber selbst zuerst. Allerdings waren bis jetzt noch keine Kampfhandlungen gemeldet worden. Man rechnete mit einer Landung sowohl in Südnorwegen als auch in Narvik selbst und war sich sicher, dass Norwegen nach dem Fall Oslos und Narviks kapitulieren würde.

Nichtsdestotrotz war Norwegen direkt im Anschluss an die Kriegserklärung den Alliierten beigetreten. Die britische Regierung hatte vor einigen Wochen offiziell bekannt gegeben, jegliche Nation, die eine deutsche Kriegserklärung erhielt, in ihr Bündnis aufzunehmen und so lange zu kämpfen, bis alle von den Deutschen besetzten Länder befreit worden waren. Man hoffte wohl, die Deutschen damit beeindrucken zu können, doch die interessierten sich für ihre immer größer werdende Zahl von sich gegenseitig unterstützenden Feinden offensichtlich nur am Rande.

20. Februar, Weißes Haus, Washington D.C.

Die Regierung beschloss, Randalls Vorschlag bzgl. der Brigaden umzusetzen und erteilte die Anweisung, das aktive Infanteriekorps mit einer Brigade Panzerabwehrwaffen für jede Division auszurüsten. Außerdem sollte die 1. Kavalleriedivision eine dritte Panzerbrigade erhalten. Die Aufrüstung der Nationalgarde sollte bei einer späteren Gelegenheit erfolgen, sobald die Anzahl der Reservisten dies erlaubte.

23. Februar, Kriegsministerium, Washington D.C.

Ein Bericht aus der Forschungsabteilung brachte gute Neuigkeiten: Den Entwicklern bei Raytheon war es gelungen, Radargeräte soweit zu miniaturisieren, dass über einen Einbau in Flugzeuge nachgedacht werden konnte. Entsprechende Projekte wurden direkt im Anschluss ausgeschrieben.

Es war nach wie vor nicht klar, wie die aktuelle Lage in Europa zu beurteilen war: Deutschland hatte zwar schon vor einigen Tagen Norwegen den Krieg erklärt, eine Invasion oder Luftangriffe gab es jedoch noch nicht.

6. März, Kriegsministerium, Washington D.C.

Randall war gerade in seinem Büro angekommen, als er auch schon einen Anruf aus dem Lagezentrum des Ministeriums erhielt. Er sollte in den neu eingerichteten Lageraum kommen, in dem die aktuellen Entwicklungen in Europa in Echtzeit auf einem großen Kartentisch nachvollzogen wurden. Der Raum war nun rund um die Uhr besetzt und ständig wurden aufgrund den Meldungen aus Europa kleine Reiter auf dem Tisch hin und her geschoben und große Tafeln und Pinnwände waren überfüllt mit Notizen, Fernschreiben und kleineren Kartenausschnitten. Der Raum war eine Idee des Ministers gewesen und in aller Eile eingerichtet worden - die Farbe an den Wänden war kaum getrocknet, da wurden auch schon die ersten Karten an den Wänden aufgehängt.

Die Spannung bezüglich Europa hatte sich etwas gelöst: Deutsche Truppen waren in den frühen Morgenstunden in Norwegen in der Gegend von Kristiansand gelandet und hatten den Hafen bereits in ihre Gewalt gebracht, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Im Moment waren sie bereits dabei, ihren Brückenkopf auszudehnen.

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Man hatte auf einer Karte bereits die möglichen Handlungsoptionen der deutschen Invasoren skizziert: Ein baldiger Angriff auf Stavanger schien wahrscheinlich, denn ein zweiter Hafen würde den Deutschen die Lieferung von Nachschub und Heranführung von Verstärkungen deutlich vereinfachen. Anschließend wurden Vorstöße in Richtung Bergen und/oder Oslo erwartet. Außerdem konnte eine weitere Landung im Raum Narvik nicht ausgeschlossen werden.

Der britische Verbindungsmann im Ministerium war außerordentlich besorgt, zeigte die Invasion doch, dass die Deutschen zu amphibischen Operationen im Prinzip fähig waren. Die Briten konnten sich also auch auf ihrer Insel nicht mehr sicher fühlen.

22. März, Kriegsministerium, Washington D.C.

Die Forschungsabteilung war zur Zeit die einzige Abteilung, die konstant gute Nachrichten zu vermelden hatte: Ausrüstung für amphibische Operationen war entwickelt worden und sollte bald der Truppe zugeführt werden. Aus Europa hingegen gab es schlechte Nachrichten: Die Deutschen hatten wie erwartet schnell Stavanger erobert, außerdem Bergen eingenommen und standen nun vor den Toren Oslos.

27. März, Kriegsministerium, Washington D.C.

Nachdem Randall einen Forschungsbericht zu Ende gelesen hatte, der die Weiterentwicklung der leichten Panzer beschrieb, stattete er wie beinahe jeden Tag dem Lageraum einen kurzen Besuch ab. Er hatte schon gehört, dass Oslo gefallen war und wollte sich ein eigenes Bild von der Lage machen.

Bild

Eine Karte zeigte den deutschen Vormarsch chronologisch. In gerade einmal drei Wochen hatten die Deutschen von einem kleinen Brückenkopf aus beinahe den gesamten Süden Norwegens erobert. Die Regierung in Oslo war gezwungen, die Stadt aufzugeben und flüchtete nach Narvik. Die norwegischen Truppen setzten sich langsam, aber weiterhin hart kämpfend, nach Norden ab, würden den deutschen Vormarsch aber höchstens verzögern können, nicht aber aufhalten.

Wenn die Deutschen nun eine Landung weiter im Rücken der norwegischen Truppen durchführten, könnten sie das Land innerhalb von zwei Wochen besiegen, so die Einschätzung der Strategen. Ob sie dieses Wagnis eingehen würden, musste sich zeigen, galt aber als wahrscheinlich.

Die Briten meldeten, dass die Deutschen direkt nach der Eroberung der norwegischen Häfen begonnen hatten, diese zu reparieren und als Flottenstützpunkte zu nutzen. Große Kontingente der deutschen Kriegsmarine waren bereits auf dem Weg in die norwegischen Häfen, von wo aus sie viel einfacher unentdeckt Operationen im Nordatlantik durchführen konnten als aus der Deutschen Bucht heraus. Dies könnte mittelfristig ein großes Problem für die Engländer darstellen.

8. April, Kriegsministerium, Washington D.C.

Randall hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, morgens kurz im Lageraum herein zu schauen, bevor er sich in sein Büro begab und über Forschungsunterlagen, neu ausgearbeiteten Dienstanweisungen und taktischen sowie strategischen Handbüchern und Plänen brütete. Die Lage in Norwegen hatte sich nach der rasanten Anfangszeit, in der die Deutschen einen Blitzkrieg wie im letzten Herbst in Polen geführt hatten, etwas konsolidiert und der deutsche Vormarsch war ins Stocken gekommen, ging aber unaufhaltsam in Richtung Norden weiter.

Die norwegische Geografie war hieran sicherlich nicht unschuldig: Im Süden konnten die Deutschen ihre Panzerverbände noch einsetzen, je weiter man aber nach Norden kam, desto unwegsamer wurde das Gelände und desto schlechter war die Infrastruktur ausgebaut. Mit Panzern war hier kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Hinzu kam, dass die Norweger nach wie vor verbissen ihr Heimatland verteidigten und ihnen jeder Meter Boden abgerungen werden musste. Dennoch waren sie nicht stark genug, die Deutschen vollständig aufzuhalten. Die Unterstützung der Alliierten beschränkte sich auf Lieferung von Nachschub und Nahrungsmitteln. Randall schätzte, dass ein Expeditionskorps von nur 3-4 Divisionen schon ausreichen würde, um das Gleichgewicht entscheidend zu verändern. Mit einem solchen Einsatz war aber wohl leider nicht zu rechnen.

Randall wollte gerade den Lageraum wieder verlassen, als einer der Fernschreiber zu rattern begann. Ein Nachrichtensoldat zog den Streifen aus dem Gerät, runzelte die Stirn und hob anschließend die Stimme:

"Sirs! Darf ich kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten? Entschuldigen Sie..." Alle Köpfe drehten sich zu dem Soldaten um. "Soeben haben wir eine neue Meldung aus Europa erhalten. Die Deutschen haben Luxemburg den Krieg erklärt. Der Botschafter schätzt, dies könnte der Beginn eines Angriffs auf Frankreich sein."

Bild

Nach einigen Sekunden gespannter Stille brach Hektik aus. Offiziere debattierten über die neue Lage, ein Mitarbeiter des Präsidenten griff zum roten Telefon und rief im Weißen Haus an. Assistenten verschwanden sofort in einem Nebenraum, um Kartenmaterial zu beschaffen. Randall hatte eine böse Vorahnung. Er hielt einen vorbeihetzenden Assistenten an und bat ihn, historisches Kartenmaterial zum Schlieffen-Plan aus dem Archiv holen zu lassen.

12. April, Kriegsministerium, Washington D.C.

Am späten Nachmittag erreichte die Nachricht, dass Luxemburg nach nur vier Tagen Kampf vor der deutschen Übermacht kapituliert hatte, Washington. Niemand war davon ausgegangen, dass der Zwergstaat sich länger als ein paar Tage hätte behaupten können. Den Luxemburgern war es immerhin gelungen, einen großen Teil ihrer Truppen ebenso wie die Regierung nach Frankreich zu evakuieren und von dort aus den Kampf gegen die Deutschen fortzusetzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 22.07.2010, 18:56 
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16. April, Weißes Haus, Washington D.C.

Randall hatte einen Termin beim Präsidenten. Er sollte dem Präsidenten und dessen Stab seine Einschätzung von der Lage an der Front in Europa darlegen.

"Nun, Mr. President, meine Herren, die meisten von Ihnen dürften sich ja noch an den Weltkrieg erinnern. Damals haben die Deutschen, um die französischen Verteidiger an der deutsch-französischen Grenze zu umgehen und einzukesseln, unter Missachtung der Neutralität Belgiens im Norden angegriffen und die linke Flanke der Franzosen angegriffen. Dieser Plan war bereits 1905 von Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen entwickelt worden und schien erfolgversprechend zu sein, allerdings wurde er nicht konsequent durchgeführt und der Krieg endete im Stellungs- und Grabenkrieg.

Nun, Hitler und viele seiner Generäle haben ja selbst im Weltkrieg gekämpft, ihnen ist dieser Plan bekannt und die Kriegserklärung an Luxemburg legt nahe, dass sie auch diesmal ihren Schwerpunkt im Norden setzen werden, um so die Maginotlinie zu umgehen. Details sind natürlich noch nicht bekannt und sie werden den Schlieffen-Plan sicherlich nicht 1:1 umsetzen, sondern sich neue Überraschungen einfallen lassen. Wir haben bereits mit dem niederländischen und dem belgischen Botschafter gesprochen und diese stimmen unserer Einschätzung zu, pochen aber ähnlich wie wir nach wie vor auf ihre Neutralität und versuchen so, sich zu..."

Randall unterbrach jäh seinen Vortrag und wandte den Kopf um, als eine Seitentür aufflog und ein Adjutant in den Raum trat. In der Hand hielt er die Abschrift eines dringenden Diplomatenfunkspruches. Er reichte das Blatt wortlos dem Präsidenten und dieser gab es an Randall weiter und eröffnete gleichzeitig auch den anderen Anwesenden den Inhalt.

Bild

Damit hatten sich die theoretischen Betrachtungen zur deutschen Angriffsplanung in Westeuropa wohl erledigt.

23. April, Kriegsministerium, Washington D.C.

Nur vier Tage nach der deutschen Kriegserklärung an die Niederlande folgte eine weitere an Belgien. Sofort nachdem die Kriegserklärungen zugestellt worden waren, begannen augenblicklich massive Angriffe. Allerdings hatten beide Staaten bereits vor Monaten ihre Truppen mobilisiert und sich in vorbereiteten Stellungen eingegraben, sodass der deutsche Vormarsch auf starken Widerstand traf. Direkt im Anschluss an die Kriegserklärungen waren außerdem sowohl die Niederlande als auch Belgien der britischen Einladung gefolgt und den Alliierten beigetreten. Augenblicklich machten sich daraufhin französische Einheiten und ein britisches Expeditionskorps auf den Weg an die Front in Belgien.

Randall verbrachte von nun an einen großen Teil seiner Zeit im Lageraum des Ministeriums, andere Aufgaben interessierten ihn nur am Rande und liefen auch ohne ihn weiter. So war etwa erst am Tag vorher die Entwicklung neuer Panzermodelle einen guten Schritt vorangekommen. Randalls Meinung und Expertise war jedoch bei den Strategen des Ministeriums und des Generalstabs viel mehr gefragt als in der Forschungsabteilung.

Bild

Die aktuelle Lagekarte zeigte eine für die Niederlande sehr gefährliche Situation: Die Deutschen hatten den Schwerpunkt ihres Angriffs an die Grenze zwischen den Niederlanden und Belgien gelegt, da diese Stelle naturgemäß der schwächste Punkt der Verteidigungslinie war (schließlich war hier die Nahtstelle zwischen zwei voneinander bis vor kurzem völlig unabhängigen Armeen). Wenn der deutsche Angriff erfolgreich war, könnten sie bis zur Kanalküste bei Den Haag stoßen und damit wären die Niederlande komplett von ihren Verbündeten abgeschnitten.

Für Belgien sah die Lage bis jetzt noch ganz gut aus, denn die Front hielt. Würde allerdings der deutsche Vorstoß gelingen, könnten die deutschen Panzer sich nach Süden wenden, Belgien im Raum Brügge angreifen und eventuell sogar schon in Richtung Dünkirchen vorstoßen. Dies wäre fatal, da die Masse der belgischen Truppen nach wie vor weiter östlich stand, um die Grenze zu Deutschland zu schützen.

Unterdessen war den Franzosen im Süden eine kleine Sensation gelungen: Da die Deutschen offenbar keine Absichten hatten, die Maginotlinie anzugreifen, hatten sie an der Grenze nur einige schwache Sicherungstruppen stationiert. Dies nutzten die Franzosen eiskalt für einen Angriff aus ihren Abwehrstellungen heraus. Ob der französische Angriff erfolgreich sein würde, war fraglich, auf jeden Fall aber würde er deutsche Kräfte binden und die Aufmerksamkeit der Deutschen von der Front im Norden ablenken.

Bild

Die Lage in Norwegen wurde für die Norweger immer kritischer. Mittlerweile standen die deutschen Truppen kurz vor Trondheim und der völlige Zusammenbruch der norwegischen Verteidigung war nur noch eine Frage der Zeit.

25. April, Kriegsministerium, Washington D.C.

Am späten Abend schaute Randall noch einmal im Lageraum vorbei, bevor er sich auf den Weg nach Hause machte. Die Deutschen hatten mittlerweile das Ijsselmeer erreicht, damit waren niederländische Verbände im Raum Groningen abgeschnitten. Die französischen Gegenangriffe im Süden, die von Anfang an als Verzweifelungstat gegolten hatten, waren mittlerweile fast vollständig zurückgeschlagen worden und man machte sich bereits Sorgen, ob die Maginotlinie in der Lage war, die in der Absetzbewegung befindlichen Truppen aufzufangen und den deutschen Gegenstoß zu stoppen.

Außerdem gab es in Großbritannien ein politisches Erdbeben: Premierminister Neville Chamberlain, der bis zuletzt versucht hatte, eine offene Konfrontation mit dem Deutschen Reich zu vermeiden, hatte endlich eingesehen, dass seine Politik ein Fehlschlag gewesen war und seinen Posten zur Verfügung gestellt. Noch am selben Tag übernahm Winston Churchill das Amt und kündigte für den nächsten Tag eine Radioansprache an. Er gab bereits jetzt die bedingungslose Kapitulation Deutschlands als offizielles Kriegsziel an.

2. Mai, Kriegsministerium, Washington D.C.

Die Lage in Belgien und den Niederlanden wandelte sich nach und nach immer mehr zugunsten der Deutschen. Größere niederländische Verbände waren im Raum Groningen eingekesselt worden und in Gefangenschaft gegangen. Die deutschen Truppen standen nun vor Amsterdam. Die niederländische Regierung hatte Den Haag und Amsterdam zu Festungsstädten erklärt und befohlen, diese auf jeden Fall zu halten und sich nicht ins Meer werfen zu lassen.

Bild

Die Deutschen griffen sowohl nördlich als auch südlich von Brüssel an, offenbar mit dem Ziel, durch einen Zangenangriff die starken belgischen und französischen Kräfte im Raum Brüssel sowie westlich davon einzukesseln. Würde dieses Vorhaben gelingen, wäre Belgien geschlagen und der Weg nach Frankreich offen.

Diese Einschätzung Randalls wurde von vielen im Generalstab und im Ministerium geteilt. Der Präsident war ähnlicher Meinung. Langsam aber sicher begann sich die Stimmung in der Bevölkerung zu ändern. Auch die Bitten der Briten um Unterstützung wurden immer lauter. Der Präsident hatte eine Gesetzesinitiative in den Kongress eingebracht, die dabei helfen sollte, die Industrie weiter auf Kriegskurs zu bringen. Allerdings waren die Isolationisten nach wie vor einflussreich und verzögerten das Vorhaben deutlich.

10. Mai, Kriegsministerium, Washington D.C.

Der deutsche Vormarsch in Belgien hatte sich nicht so gut entwickelt, wie die Deutschen es erwartet hatten, somit herrschte im Kriegsministerium eine vergleichsweise ruhige Atmsphäre. Randall nutzte die Gelegenheit, um einige liegengebliebene Forschungsunterlagen abzuarbeiten.

Bereits Ende April hatte man neue Artillerie- und Panzerabwehrgeschütze entwickelt. Diese basierten auf der selben Grundplattform und somit ergaben sich bei der Produktion möglicherweise Synergieeffekte. Außerdem lagen aktualisierte Baupläne für Zerstörer und leichte Kreuzer vor. Die neuen Panzerabwehrgeschütze sollten nun an sämtliche 25 Divisionen der Nationalgarde ausgeliefert werden. Dafür würde in jeder Division eine zusätzliche Panzerabwehrbrigade aufgestellt. Die Schlachten in Belgien hatten gezeigt, dass der Panzer eine Waffe war, die aus modernen Kriegen nicht mehr wegzudenken sein würde. Insofern musste auch Infanterie mit entsprechende Bewaffnung ausgestattet werden.

In etwa einer Woche würden die vier letzten Zerstörer aus dem Schiffbauprogramm in Dienst gestellt werden. Randall würde der Zeremonie leider nicht beiwohnen können, da er im Ministerium unabkömmlich war. Bevor er sich zu seinem täglichen Besuch im Lageraum aufmachte, verfasste er noch ein Memo, in dem er die Aufstellung von zwei Lufttransportgeschwadern sowie zwei weiteren Abfangjägergeschwadern empfahl. Nachdem die Marine bald ihre Sollstärke vorerst erreicht hatte, sollten nun die Luftstreitkräfte ausgebaut werden. Je wahrscheinlicher ein Engagement in Europa würde, desto wichtiger würden sie sein.

19. Mai, Kriegsministerium, Washington D.C.

Die Lage in Belgien und den Niederlanden hatte sich nach wie vor kaum verändert. Die niederländische Festung wurde verbissen verteidigt und auch die Umfassung von Brüssel schien nicht zu gelingen.

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Während manche Mitarbeiter des Ministeriums schon einen deutschen Fehlschlag vorhersahen, dämpfte Randall ihren Optimismus. Zwar kamen die Deutschen derzeit nicht gut voran und es wäre jetzt für die Franzosen und Belgier an der Zeit, Verstärkungen an die Front zu schicken und einen umfassenden Gegenangriff zu starten. Allerdings waren sowohl die belgischen als auch die französischen Kapazitäten mittlerweile erschöpft und somit gab Randall den Belgiern wie auch den Niederländern höchstens noch vier Wochen. Vermutlich legten die Deutschen lediglich eine kurze Pause ein, um ihre Panzer zu warten und ihre Nachschubwege neu zu organisieren.

31. Mai, Weißes Haus, Washington D.C.

Der Feldzug der Deutschen im Westen verlief weiterhin zäh. Dies berichtete Randall auch in einer Sitzung im Weißen Haus dem Stab des Präsidenten. Über die Gründe für das Steckenbleiben der deutschen Offensive konnte man nur spekulieren. Auch in Norwegen war der deutsche Vormarsch kurz hinter Trondheim zu Erliegen gekommen.

Sowohl in Belgien als auch in Norwegen wäre dies wohl der richtige Augenblick für das Eingreifen mit einer massiven Expeditionsstreitmacht, um die deutschen Truppen an allen Fronten zurückzudrängen. Dies sah Randall so, ebenso Jacob Miller und einige Generäle aus dem Generalstab der Army. Auch der Präsident schloss sich dieser Meinung an, erklärte aber, dass ein Kriegseintritt derzeit politisch nicht zu verantworten wäre. Lediglich im Falle eines direkten Angriffs auf die Vereinigten Staaten könnte er selbst den Kriegszustand erklären, ansonsten bräuchte er einen Beschluss des Kongresses. Hier war aber derzeit noch keine Mehrheit zu erwarten.

Somit blieb als einzige Möglichkeit derzeit die Unterstützung der Alliierten durch Nachschub- und Materiallieferungen. Die US Navy eskortierte die Konvois aus britischen Schiffen bis zu einer Demarkationslinie bei 30° westlicher Länge. Der deutsche Botschafter hatte zugestimmt, dass die Deutschen die amerikanische Neutralität bis zu dieser Linie respektieren würden. Allerdings begannen nur wenige Meilen weiter östlich, als britische Schiffe den Schutz der Konvois übernommen hatten, die deutschen U-Boote bereits mit Angriffen auf die Frachter sowie die Begleitschiffe. Es wurde davon vermutet, dass die Deutschen von Island aus operierten und sich somit dem Zugriff der Royal Navy recht effektiv entziehen konnten, da die Seegebiete im Nordatlantik einfach zu weitläufig waren.

2. Juni, Kriegsministerium, Washington D.C.

Innerhalb von nur wenigen Tagen hatte sich die Situation in Belgien massiv geändert. Die Deutschen waren wieder zum Angriff übergegangen und standen nun südlich von Brüssel erstmals auf französischem Territorium. Außerdem hatten sie einen massiven Angriff auf die "Festung Holland" gestartet.

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Randall erklärte auf einer Wandkarte im Lageraum die strategischen Handlungsoptionen, die sich den Deutschen nun boten:

"Nun, wenn wir davon ausgehen, dass der Durchbruch die Verteidiger im südlichen Belgien auseinandergetrieben hat, dann ist für die Deutschen nun der Weg nach Frankreich offen. Es bieten sich drei wesentliche strategische Optionen an:

  1. Die Deutschen wenden sich nach Norden und marschieren bis zur Kanalküste. Dies würde sämtliche Verteidiger in Belgien einschließen. Diese Variante halte ich allerdings für unwahrscheinlich, da sie schon in den Niederlanden nicht funktioniert hat.
  2. Die Deutschen greifen Paris direkt an. Dies wäre sicherlich psychologisch sehr wichtig für die eigenen Truppen, würde die Franzosen aber vermutlich noch nicht in die Knie zwingen, sondern sie möglicherweise sogar noch anspornen.
  3. Die Deutschen wenden sich nach Süden und schließen die Maginotlinie ein. Da hier immer noch große französische Truppenkontingente gebunden sind, wären diese damit wirkungsvoll ausgeschaltet und die noch frischen deutschen Truppen, die die Grenze dort gehalten haben, können an der Offensive teilnehmen."

So wie ich bisher die Handlungsweise des Hobbystrategen Hitler enschätze, wird es keine der drei Varianten in Reinkultur, sondern er wird von seinen Generälen alle gleichzeitig verlangen und somit wird es wohl auf einen dampfwalzenartigen Vormarsch durch Frankreich hinauslaufen."

Am selben Abend war von der Botschaft in Moskau durchgegeben worden, dass die Sowjets Rumänien ein 48-stündiges Ultimatum gesetzt hatten, um ihnen "nach 22-jähriger Besatzung" Bessarabien zu überlassen. Jetzt bediente sich also auch Stalin den selben außenpolitischen Methoden wie Hitler. Eine Nachfrage bei der rumänischen Botschaft ergab, dass man dem Ultimatum vermutlich nachgeben werde, da man einen Konflikt vermeiden wolle und auch vom engsten Verbündeten Frankreich in der jetzigen Situation wohl kaum Hilfe erwarten könne.


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 27.07.2010, 02:57 
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sehr, sehr schöner AAR. weiter so, macht echt spaß zu lesen.


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 Betreff des Beitrags: Re: USA: Weltpolizei wider Willen
BeitragVerfasst: 30.07.2010, 03:48 
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9. Juni, Kriegsministerium, Washington D.C.

Auf Randalls Schreibtisch lagen an diesem Morgen zwei gute Nachrichten: Ein Projekt zur Kernforschung war vor wenigen Tagen erfolgreich abgeschlossen worden und man vermutete in diesem Bereich einiges an Potential für die Gewinnung von Energie oder auch für neuartige Waffensysteme. Randalls Physikkenntnisse waren nicht sonderlich aktuell und somit verstand er nicht viel davon. Dennoch befürwortete er eine baldige Fortsetzung der Forschung.

Bild

Die andere gute Nachricht kam aus dem Marineministerium: Man würde an diesem Tag den leichten Kreuzer USS Cleveland in Dienst stellen. In den nächsten Tagen würden noch 6 weitere folgen und damit wäre das Schiffbauprogramm abgeschlossen.

Bei seinem anschließenden Besuch im Lageraum erfuhr er, dass die Situation in Europa sich nicht wesentlich verändert hatte. Allerdings hatten die Deutschen einen Großangriff auf Amsterdam gestartet und ein Fall der Stadt würde für die nächsten Tage erwartet. Wenn Amsterdamm gefallen war, würden die Niederländer den Rest der "Festung Holland" wohl nicht mehr halten können und aufgerieben werden. Anschließend könnten sich die bisher dort gebundenen deutschen Kräfte nach Süden wenden und die Belgier und Franzosen in eine äußerst kritische Lage bringen.

11. Juni, Kriegsministerium, Washington D.C.

Auf der Karte im Lageraum wurde die missliche Lage der Niederländer deutlich:

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Wie erwartet war in der letzten Nacht Amsterdam nach dem deutschen Großangriff (1) gefallen. Man erwartete, dass die deutschen Truppen anschließend bis zur Küste durchbrechen würden. Anschließend würde mit einem Angriff im Raum Rotterdam/Den Haag (2) zu rechnen sein, die restlichen niederländischen Verteidiger wären dann auf mehrere kleine Kessel aufgeteilt und ohne Zugang zu Häfen eingeschlossen. Wie die Deutschen ihren Frontvorsprung im Süden Belgiens (3) ausnutzen würden, war aber noch völlig unklar.

17. Juni, Weißes Haus, Washington D.C.

Es war genau das eingetreten, was man vor ca. einer Woche schon erwartet hatte: Die deutschen Truppen waren nach der Eroberung Amsterdams bei Haarlem bis zur Küste vorgestoßen und hatten außerdem Den Haag erobert und auch hier die Küste erreicht. Die zersplitterte niederländische Verteidigung begann sich daraufhin aufzulösen.

Bei einer Kabinettssitzung am Nachmittag wurde beschlossen, das US Marine Corps, was bisher nur aus wenigen Marine-Regimentern bestand, deutlich aufzustocken und in fünf vollständige Marineinfanteriedivisionen mit jeweils vier Marine- und einer Ingenieurbrigade umzugliedern. Dafür würde eine große Anzahl an Reservisten und Freiwilligen in den aktiven Dienst übernommen werden müssen, was die Möglichkeiten bei der Mobilisierung der Nationalgarde weiter einschränken würde. Allerdings erschien es wichtiger, über eine gut ausgestattete, schnell einsatzfähige Elitetruppe für Notfälle zu verfügen.

20. Juni, Kriegsministerium, Washington D.C.

Als Randall den Lageraum betrat, stand dort gerade ein Colonel vor einer Karte und erläuterte die strategischen Möglichkeiten, die sich den Deutschen nun eröffneten:

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"Lassen Sie mich einen kurzen Überblick geben, bevor wir zu den Details aus dem Nachrichtendienst kommen:

Erstens: Erst vor wenigen Stunden wurde uns gemeldet, dass die Deutschen mit ihren nach dem Fall Hollands freigewordenen Truppen nördlich von Brüssel angreifen. Offensichtlich ist geplant, mit schnellen Verbänden die nach wie vor heftig verteidigte belgische Hauptstadt zu umgehen und damit einzukesseln.

Zweitens: Die Franzosen haben offensichtlich zu viele Einheiten aus den Forts der Maginotlinie abgezogen, um sie zur Verteidigung Belgiens einzusetzen. Dies wurde von den Deutschen sofort für einen Überraschungsangriff nahe Straßburg ausgenutzt. Wir gehen davon aus, dass die durchgebrochenen Truppen sich mit denen, die südöstlich von Brüssel auf dem Vormarsch sind, im Rücken der Verteidiger vereinigen werden. Somit wäre die nördliche Maginotlinie effektiv ausgeschaltet.

Drittens: Weitere durchgebrochene Truppen werden sich vermutlich nach Süden wenden und bis zur schweizerischen Grenze vorstoßen. Damit wäre auch der südliche Teil der Maginotlinie eingeschlossen.

Falls diese Operationen alle gelingen sollten, gehen wir davon aus, dass das Schicksal Frankreichs besiegelt ist."

Die meisten Anwesenden teilten diese Einschätzung. Nachdem er sich kurz über weitere Details informiert hatte, begab Randall sich in sein Büro. Dort fand er einen aktuellen Bericht aus der Forschungsabteilung vor: Es wurde nun daran gearbeitet, eine Mischform aus Panzer- und Infanterieeinheiten zu entwickeln. Mechanisierte Infanterie sollte über Schützenpanzer verfügen und somit einerseits mobil sein und gegen schwere Einheiten bestehen können, andererseits aber auch infanteristisch kämpfen können. Außerdem begann man nun unter höchster Geheimhaltung damit, auf dem Raketentestgelände in der Wüste strategische Raketen zu entwickeln, die in Zukunft Flugzeuge zur Bombardierung weit entfernter Ziele überflüssig machen könnten.

28. Juni, Kriegsministerium, Washington D.C.

Bei der Lagebesprechung herrsche eine allgemeine Verwunderung. Man hatte mit weiteren schnellen Vorstößen der deutschen Truppen in Frankreich gerechnet, aber die Deutschen ließen offensichtlich Chancen ungenutzt - oder aber die Lage der Franzosen war doch nicht so hoffnungslos wie allgemein angenommen wurde.

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Die Belgier verteidigten sich in Brüssel nach wie vor verbissen. Den Deutschen war es zwar gelungen, die Maginotlinie lokal an ihrem offenbar schwächsten Punkt zu knacken, aber ein schneller Vorstoß erfolgte in diesem Bereich nicht. Die Strategen hielten sich diesmal mit ihren Theorien lieber zurück.

1. Juli, Weißes Haus, Washington D.C.

Randall war gerade auf dem Weg zu einem Treffen mit den Präsidenten, als ihm der leitende Berater für wissenschaftliche Fragen über den Weg lief. Dieser berichtete ihm beiläufig davon, dass es den unter strenger Geheimhaltung arbeitenden Forschern gelungen war, ein neues Verschlüsselungsgerät zu entwickeln. Außerdem hatte man auf düsteren Kanälen Pläne von fremden Verschlüsselungsgeräte aus Europa herbeigeschafft und ein Durchbruch bei der Kryptoanalyse stand kurz bevor.

8. Juli, Kriegsministerium, Washington D.C.

Im Lageraum herrschte allgemeine Langeweile. Hin und wieder trafen Nachrichten aus Europa ein und kleine Reiter wurden auf der großen Karte verschoben und Pfeile auf andere Karten eingetragen. Die Offensive der Deutschen gegen Frankreich verlief mit wenig Rafinesse und mit dem Stil einer Dampfwalze rollte die deutsche Armee in Richtung Südwesten. Die Analytiker blickten seufzend auf ihre Karten und verfassten Berichte, in denen die Rede von der Einfältigkeit und Unkreativität deutscher Generäle war. Randall sah die ganze Sache mit gemischten Gefühlen. Einerseits fehlte natürlich bei der Betrachtung des deutschen Feldzugs das typische Gefühl von Ehrfurcht, das jeden Historiker erfasste, wenn er sich die großen Schlachten der Geschichte anschaute, die von großen Feldherren geschlagen wurde. Andererseits war es wahrscheinlich, dass die USA demnächst gegen die Deutschen würden kämpfen müssen, wenn die Entwicklung so weiterging wie bisher. Da wäre es ihm nur recht, wenn es dem Gegner an Kreativität mangelte.

Am Nachmittag gab es dann aber doch noch eine Neuigkeit, mit der an diesem Tag niemand gerechnet hatte: Italien war an der Seite der Deutschen in den Krieg eingetreten. Das konnte eigentlich nur bedeuten, dass Mussolini eifersüchtig einen Anteil an Hitlers Eroberungen forderte und nun wohl versuchen würde, in Südfrankreich vorzurücken.


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